Leichte Blubber


Für den 6. September 2026 war endlich mal wieder windstilles, trockenes und schönes Wetter angesagt. Und genau so war es, als ich gegen 17 Uhr am Flugplatz EDLB Borkenberge ankam: Herrlichstes Flugwetter!

Um 17:51 Uhr Ortszeit rollte die kleine gelbe Uli Rebell auf die Startbahn 07 und startete. Wunderbar ruhig war es in der Luft - allerdings auch nur die ersten Minuten. Ich wollte in östliche Richtung fliegen, gegen den Wind, vielleicht noch eine Aufnahme der Amelsbürener St.-Sebastian-Kirche machen, denn der neue Film über den hl. Sebastian ist fast fertig, eine weitere Kirchenaufnahme könnte noch passen.

Zwischen Lüdinghausen und Hiddingsel entstand das nebenstehende Photo vom Dortmund-Ems-Kanal.


Es war ruhiges Wetter, an den meisten Stellen jedenfalls. Über Münster konnte ich mehrere Ballone sehen. Diese Dinger üben eine magische Anziehungskraft auf Flieger in kleinen gelben Flugzeugen aus. Aber näher, als auf dem Photo, näherte ich mich nicht.


Die St.-Clemens-Kirche im Münsteraner Ortsteil Hiltrup konnte ich von Weitem sehen. Sie ist noch gar nicht besonders alt: Erst 1913 wurde die große Kirche geweiht. Hiltrup war damals durch Eisenbahn, Dortmund-Ems-Kanal und Industrie stark gewachsen, und die mittelalterliche alte Clemenskirche war für die Gemeinde längst zu klein geworden.


Das Gebäude „Zum Roten Berge 19“, ursprünglich das Missionskloster der Herz-Jesu-Missionare, auch bekannt als „Hiltruper Missionare“, konnte ich auch sehr gut sehen. Wunderschön sah es aus aus der Luft.


Weiter ging mein Flug in östlicher Richtung, zwar wollte ich lieber Richtung Norden fliegen, da waren aber die Ballone.


Die Glasuritstraße, der Dortmund-Ems-Kanal und die Bahnstrecke Hamm-Emden umgeben das große BASF-Gelände im Münsteraner Ortsteil Hiltrup.


Der Pavillon auf dem nebenstehenden Bild, der sich in der unten stehenden GPS-Aufzeichnung in der engen Kurve der rechten Schleife befindet, gehört übrigens nicht zu einem Ausflugsziel. Es handelt sich um das Wasserwerk Hohe Ward. Das denkmalgeschützte Jugendstilgebäude entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts; mit dem Bau des Pumpwerks wurde bereits 1905 begonnen. Bis heute dient es der Wasserversorgung Münsters.

Dieses Bild ist übrigens das erste, das ich mir von einer KI habe aufhübschen lassen, das Originalbild war viel zu blass und überbelichtet, ich habe es selber nicht hinbekommen.


Dann ging mein Flug eine kurze Strecke in westlicher Richtung weiter. Wieder zurück zum Dortmund-Ems-Kanal.


Herrlich sah die Amelsbürener St.-Sebastian-Kirche aus. Auf dem Hinflug bin ich direkt drüber geflogen. Jetzt hoffe ich auf eine weitere gute Aufnahme für den Film.


An der St.-Ludgerus-Kirche im westlichen Ortsteil Albachten von Münster flog ich als nächstes vorbei. Hier im Münsterland war die Wirkstätte des heiligen Bischofs Ludger, über den ich bei bonifatius.tv auch einen Film gemacht habe.


Auch an der Bösenseller St.-Johannes-Baptist-Kirche flog ich vorbei. Die Kirche ist eine interessante Mischung aus Alt und Neu: Das heutige neugotische Kirchenschiff entstand erst zwischen 1913 und 1916, der mächtige Westturm aus Baumberger Sandstein stammt dagegen noch aus dem Mittelalter. Sein oberstes Geschoss wurde spätestens um 1500 aufgesetzt; im Turm hängt noch eine Glocke aus dem Jahr 1504. Die Bösenseller Pfarrgemeinde selbst ist bereits 1148 urkundlich belegt.


In Schapdetten steht die kleine St.-Bonifatius-Kirche, die ich sehr gerne einmal für einen Film über den hl. Bonifatius verwenden würde. Eine kleine Kirche für einen großen Heiligen - und eine erstaunlich alte noch dazu.

Der Kirchort reicht bis in das frühe 11. Jahrhundert zurück und hat eine unmittelbare Verbindung zu Fulda: Hier bestand eine Eigenkirche des Klosters Fulda, und zu ihrer Weihe wurden Reliquien des hl. Bonifatius aus Fulda nach Schapdetten gebracht. Diese St.-Bonifatius-Kirche gehört damit zu den ältesten Bonifatius-Patrozinien im Bistum Münster.

Und von dem, was man heute sieht, ist tatsächlich einiges uralt. Der mächtige romanische Westturm stammt aus dem 12. Jahrhundert und steht damit seit mehr als 800 Jahren dort. Teile der Kirche gehen ebenfalls auf diese Zeit zurück, der spätgotische Chor entstand im 15. Jahrhundert. Erst der große nördliche Erweiterungsbau kam 1930 hinzu.

Bonifatius, der Apostel Deutschlands - nein, über ihn schreibe ich hier nicht weiter. Das alles soll demnächst in einem eigenen Film erzählt werden.


Mit vielen schönen Erinnerungen an eine Motorradtour vor kurzem mit meiner Ehefrau, dem Stiepeler Mönch Pater Stanislaus und unserem Ortsführer Christoph flog ich am Longinusturm vorbei. Hier hatten wir eine schöne Kaffeepause eingelegt. Der 32 Meter hohe Aussichtsturm wurde zwischen 1897 und 1900 aus Baumberger Kalksandstein errichtet und ist längst zu einem Wahrzeichen der Baumberge geworden.


Einer der beiden 100 Meter hohen Türme des Billerbecker St.-Ludgerus-Doms ist eingerüstet. Der neugotische Dom wurde zwischen 1892 und 1898 aus Baumberger Sandstein errichtet; seit 2026 wird der nördliche Turm restauriert. Im Südturm befindet sich die Sterbekapelle des hl. Ludgerus, der 809 hier in Billerbeck starb. Über den heiligen Bischof habe ich bei bonifatius.tv auch einen Film gemacht . Ein Baugerüst an einem 100 Meter hohen Kirchturm ist schon aus der Luft ein beachtlicher Anblick.


Immer wieder überfliege ich gerne das Kloster Gerleve. Die Benediktiner kamen 1899 hierher, nachdem die Geschwister Wermelt ihren Hof zur Gründung eines Klosters gestiftet hatten. Mit meinem guten Freund Wolfgang habe ich hier einmal ein paar Tage Auszeit genommen und mich ganz dem Rhythmus klösterlichen Lebens hingegeben: früh aufstehen, das Morgengebet zusammen mit den Mönchen, die Laudes, Frühmesse, Spaziergänge, das Mittagsgebet, die Sext, Mittagessen, Ruhepause, das abendliche Vespergebet, Abendessen, die Komplet, das Nachtgebet, und schließlich (nach einem Glas des roten Weines) ins Bett. Ein paar Tage, in denen die Uhr einmal nach etwas anderem geht als nach Terminen und Verpflichtungen.

Für einen eigentlich ganz gewöhnlichen Rundflug waren an diesem Abend erstaunlich viele Heilige unter meiner Tragfläche vorbeigekommen.


Zehn Kilometer nördlich des Flugplatzes am Ortsrand von Dülmen meldete ich über Funk meine Position und meinen Einflug in die Platzrunde in den kommenden fünf Minuten.

Ganz so ruhig, wie es auf manchen Bildern aussieht, war der Flug allerdings nicht. Immer wieder geriet ich völlig unvermittelt in thermische Ablösungen. Eben noch lag die Uli Rebell ruhig in der Luft, im nächsten Moment wurde es unangenehm turbulent. Diese „Blubber“ begleiteten mich während des ganzen Fluges. Mit fortschreitendem Abend wurden sie zwar schwächer, verschwanden aber nie ganz und kamen immer wieder überraschend.

Daher auch der Titel dieses Flugberichts: „Leichte Blubber“. Ganz so leicht waren sie stellenweise allerdings nicht.

Nach einer Flugzeit von 75 Minuten landete ich wieder auf dem Flugplatz EDLB Borkenberge. Ein wunderbarer Flug war es gewesen.


Es ist schon ein ganz besonderes Geschenk, an einem solchen Sonntag mit dem Motorrad von Bochum zum Flugplatz EDLB Borkenberge fahren zu dürfen, dort bei herrlichem Wetter eine schöne Runde zu fliegen und anschließend wieder mit dem Motorrad nach Hause zurückzukehren.

Dabei hatte dieser Tag schon wunderbar begonnen: mit der lateinischen Konventmesse im Bochum-Stiepeler Kloster, einem kräftigen Frühstück (mit weichgekochtem Frühstücksei und selbstgemachter Rotweinmarmelade) und einem kurzen Sonntagmittagsschlaf danach.

Ein wunderbarer Sonntag, für den man eigentlich nur dankbar sein kann: Danke, Gottvater, für diesen schönen Tag.